29.08.2010
Wettkampfbetreuung
Liebe Eltern,
nach den letzten Monaten, in denen wir schon häufig einfach einmal hätten Stellung beziehen sollen zum Thema Wettkampfbetreuung, ist es nun heute soweit. Wir richten uns dabei einfach an alle von Euch – denn wie so oft kann jeder noch am besten selber beurteilen, ob er/sie betroffen ist, oder nicht, sofern man ehrlich zu sich selber ist. Wir sind uns sicher, dass sich diverse Personen angesprochen fühlen werden und möchten zunächst herausstellen, dass wir keine einzelne konkrete Situation oder Person zum Anlass für diesen Artikel genommen haben.
Wettkampfleistungen und die Art und Weise, wie Athleten diese Leistungen erbringen, sind das Ergebnis unseres Trainingsprozesses. Deshalb ist es selbstverständlich, logisch und sinnvoll, dass wir in der direkten Wettkampfbetreuung unseren Athleten üblicherweise nur wenige Korrekturen oder andere Hinweise geben. Optimalerweise sollten wir so gut wie gar nichts sagen müssen. Wir haben aber die Erfahrung gemacht, dass von manchen Personen unsere Art der Wettkampfbetreuung mit dem Kommentar “die sagen ja gar nichts” und dem Versuch einer eigenen Korrektur irgendeiner Art angegangen werden. Seid froh, wenn wir im Wettkampf nicht viel zu sagen haben – das tun wir nämlich im Training. Große Technikkorrekturen sind im Wettkampf normalerweise völlig unmöglich und sinnlos, wenn nicht sogar kontraproduktiv!
Als Beispiel nehmen wir nun einen Weitsprungwettkampf. Wenn jemand der Ansicht ist, der Anlauf seines/ihres Kindes habe gar nicht gepasst, aber wir haben den Versuch gesehen und keine Anlaufkorrektur gegeben, dann haben wir dafür Gründe. Es ist etwas schade, dass wir das überhaupt schreiben müssen, denn das sollte allen Beteiligten völlig klar sein. Wenn aus Elternsicht unklar ist, ob wir den Versuch gesehen haben, dann erwarten wir ausnahmslos, darauf angesprochen und gefragt zu werden. Wir haben in letzter Zeit wiederholt Wettkämpfe erlebt, bei denen Elternkorrekturen den Athleten Sprünge versaut haben. Das ist nicht in Ordnung und ist realistisch betrachtet als eine Art Vertrauensbruch anzusehen, wenn wir in der Nähe waren. Denn eine Elternkorrektur in Anwesenheit des Trainers zeigt, dass die Reaktion oder scheinbar ausbleibende Reaktion des Trainers auf den Versuch des Athleten als Trainerfehler gewertet wird. “Ein Fuß vor” oder “ein Fuß zurück” ist nunmal nicht immer die Lösung des Problems!
Wenn ihr Euch vergewissert habt, dass wir Trainer gar nicht in der Nähe sind, dann könnt ihr natürlich gerne Korrekturen vornehmen. Das steht ausser Frage. Wenn wir in der Nähe sind und ihr nicht mit unserem Vorgehen einverstanden seid, dann kommt sofort zu uns und sprecht uns darauf an. Direkte Anweisungen zu technischen Ausführungen oder Anlaufkorrekturen sind ansonsten absolut nicht in Ordnung. Bekommen wir das selber mit, so betreuen wir den entsprechenden Athleten in dem gerade laufenden Wettbewerb gar nicht mehr, was wie gewohnt leider zu Lasten des Athleten geht.
Zu guter Letzt betonen wir nochmals, dass wir das monierte Verhalten keinesfalls bei allen Eltern sehen, sondern aus unserer Sicht in großen Teilen alles gut ist. Trotzdem sehen wir diverse Fälle, die unsere Stellungnahme erforderlich machen. Am Ende weiß jeder selber am besten, ob er sich angesprochen fühlen sollte, oder nicht. Und wenn doch jemand Zweifel hat, dann fragt uns einfach mal.
Wir wissen, dass einige Eltern dies hier lesen werden und sich nun fragen, wie man überhaupt auf die Idee kommen kann, in eventueller Anwesenheit des Trainers dem Kind irgendwelche Technik- oder Anlaufkorrekturen zu geben und auf Grundlage welcher Fachkompetenz das stattfinden soll. Wer so denkt, kann diesen Text getrost einfach links liegen lassen und sich auf den nächsten Wettkampf freuen!
Eure Trainer

